Vergleich zwischen trotzkistischen, bürgerlichen und rechten Faschismustheorien

1. Einleitung

Es gibt wahrscheinlich kein anderes politisches Schlagwort, das so vielseitig und häufig verwendet wird wie „Faschismus“. Schon viele Wissenschaftler haben über diesen Begriff nachgedacht und geschrieben und versucht eine Definition oder eine allgemein gültige Theorie zu erstellen. Die vorliegende Hausarbeit vergleicht drei Strömungen der Faschismustheorien miteinander: trotzkistische, bürgerliche und rechte. Dabei wird jeweils untersucht, was „Faschismus“ für die Strömung bedeutet, was sein Wesen ausmacht und was „Faschismus“ nicht ist. Mit dem Vergleich verschiedener Faschismustheorien können Gemeinsamkeiten gefunden werden, die eine genauere Definition von Faschismus ermöglichen.

Beginnen möchte ich mit der trotzkistischen Faschismustheorie, dabei wird hauptsächlich Bezug auf die Aufsätze von Leo Trotzki genommen. Es werden folgende Texte behandelt: „Ein Sieg Hitlers bedeutet Krieg gegen die UdSSR“ (April 1932), „Der einzige Weg“ (September 1932), „Porträt des Nationalsozialismus“ (Juni 1933) und „Bonapartismus und Faschismus. Zur Charakterisierung der heutigen Lage in Europa“ (Juli 1934).

Im zweiten Punkt behandle ich die Faschismustheorie der „bürgerlichen Historiker“. Unter „bürgerlich“ verstehe ich Personen, die sich der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ zugehörig fühlen (u.a. Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung) und weder marxistisch, linksextrem noch rechtsextrem argumentieren. In diesem Kapitel behandle ich die Werke von Robert O. Paxton („The Anatomy of Fascism“, 2004) und Roger Griffin („Faschismus. Eine Einführung in die vergleichende Faschismusforschung“, 2020).

Im dritten Kapitel werden die rechten Faschismustheorien untersucht. „Rechts“ wird hier definiert als: „u.a. die Vorstellungen von einer natürlichen Ungleichheit der Menschen, eines ethnisch homogenen Volkes, die Befürwortung von hierarchischen und autoritären Verhältnissen und damit einhergehend die Ausgrenzung von Menschen, die nicht in dieses Weltbild passen.“1 Es werden Werke folgender Autoren behandelt: Benito Mussolini („The Political and Social Doctrine of Fascism“, 1932 [2006]), Julius Evola (italienischer Philosoph und Traditionalist2, „Fascism viewed from the Right“, 1974 [2013]) und Armin Mohler (Denker der „Neuen Rechten“3, „Der faschistische Stil“, 2020).

In meiner Schlussbetrachtung fasse ich die Argumentation zusammen und ziehe ein Resümee, es werden die verschiedenen Faschismustheorien miteinander verglichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Des Weiteren werde ich aus den gesammelten Informationen meine eigene Faschismustheorie erstellen.

Methodisch gehe ich wie folgt vor: ich werde die einzelnen Texte analysieren und herausarbeiten, wie der jeweilige Autor Faschismus definiert und beschreibt. In der Schlussfolgerung werden die drei Strömungen miteinander verglichen.

Die Faschismusforschung ist breit und vielfältig. Die Geschichte des Faschismus ist sehr gut erforscht, nur bei der Definition und bei der Eingrenzung des Begriffes sind sich Historiker bisher uneinig. Zu den bekanntesten Faschismusforschern zählen Robert O. Paxton, Roger Griffin, Stanley G. Payne, Wolfgang Wippermann, Hannah Arendt, Johannes Agnoli, Wilhelm Alff, Ernst Mandel und Zeev Sternhell.

In der Faschismusforschung werden selten die verschiedenen Theorien miteinander verglichen, noch seltener werden rechte bzw. rechtsextreme Texte zum Vergleich herangezogen. Die Hausarbeit möchte diese Lücke füllen.

1Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin, Rechts /Rechte Ideologie, URL: https://www.berliner-register.de/content/rechts-rechte-ideologie (letzter Aufruf am 13.09.2021 um 17:26 Uhr).

2Vgl. Nicholas Goodrick-Clarke, Im Schatten der Schwarzen Sonne. Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung, Wiesbaden 2009, S. 115-153.

3Vgl. Hajo Funke, Armin Mohler. Jünger-Schüler, Netzwerker und selbsterklärter Faschist, in: Das Alte Denken der Neuen Rechten. Die langen Linien der antiliberalen Revolte, hrsg. vom Zentrum Liberale Moderne, Berlin 2019, S. 89-100.

2. Trotzkistische Faschismustheorie

In „Ein Sieg Hitlers bedeutet Krieg gegen die UdSSR“ (April 1932) beschreibt Leo Trotzki das Wesen des Faschismus (bzw. des Nationalsozialismus) erstmals genauer. Laut ihm wurde durch den Versailler Vertrag das zerstückelte Europa in eine Sackgasse manövriert, in Deutschland manifestiert sich das durch den „Nationalsozialismus“.1 Trotzki beschreibt diese politische Form in der Sprache der Sozialpsychologie als „eine seuchenartige Verzweiflungshysterie unter den Mittelschichten“2, zu der „zugrundegerichte[te] Kleinhändler, Handwerker und Bauern, zum Teil auch […] arbeitslos[e] Proletarier“3 sowie Beamte, Offiziere des Weltkriegs, Angestellte, Buchhalter, Ingenieure, Journalisten und Ärzte gehören, sprich all diejenigen, die durch den Krieg und wirtschaftliche Krisen an den Rand des Ruins gebracht worden sind.4

Hitler schweige darüber, wie sein Programm die innenpolitischen Probleme lösen soll, er sage, es handle sich um „Geheimnisse“. Trotzki vermutete, dass er über gar keine Geheimnisse verfüge bzw. nicht mal eine Lösung für die Probleme im Inneren habe. Im späteren Verlauf der Arbeit werde ich näher darauf eingehen, dass es ein wichtiges Merkmal des Faschismus ist, über kein detailliert ausgearbeitetes Programm zu verfügen. Andere Faschismustheorien behandeln diese Eigenschaft genauer.5 In der Außenpolitik ist Hitler hingegen, so Trotzki, genauer: er „erklärt […] dem Versailler Vertrag […] den Krieg.“6

Der Versailler Vertrag, der stellvertretend für Polen und Frankreich stehe, gehöre zu den zwei großen Feinden des deutschen Faschismus, der andere sei der „Marxismus“, den die Nationalsozialisten besonders in zwei Parteien sehen: in der KPD und in der SPD. Zusätzlich sieht er die größte Manifestation des Marxismus im Staatengebilde der Sowjetunion.7

Damit der Faschismus an die Macht gelangen kann, muss er, wie Trotzki beim italienischen Vorbild beobachtet hat, zuerst die Arbeiterorganisationen zerschlagen. Selbst wenn er versuchen sollte, über demokratischen Wege die parlamentarische Mehrheit zu erhalten8, so muss er trotzdem „der Kommunistischen Partei, der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften den Hals umdrehen.“9

Trotzki identifiziert den Faschismus eindeutig als eine anti-marxistische Kraft.

Trotzki sieht im faschistische Regime eine politische Macht für die Krieg und Imperialismus unabdingbar sind. Nationalsozialisten an der Macht würden keinen Frieden bedeuten, sondern Krieg.10 „Krieg nicht gegen Polen, nicht gegen Frankreich, sondern Krieg gegen die Sowjetunion.“11

Hitlers Regime brauche einen auswärtigen Erfolg und als marxistischer Gegenspieler ist die Sowjetunion ein quasi unerträglicher Nachbar.12

In „Der einzige Weg“ (September 1932) geht Leo Trotzki genauer darauf ein. Er schreibt, dass der Nationalsozialismus den Versailler Vertrag auf seine Art revidieren möchte13, was „faktisch die Offensive des Hohenzollernschen Imperialismus weiterzuführen“14 bedeutet.

Gleichzeitig will der Nationalsozialismus aber Deutschland auch zur sogenannten „Autarkie“, also zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit, führen, und zwar durch Provinzialismus und Selbstbeschränkung.15 Trotzki sieht darin keine gute Idee, den deutschen Kapitalismus in seine nationalen Grenzen einzusperren, wäre das Gleiche, „als würde man einen Menschen kurieren, indem man ihm die rechte Hand, den linken Fuß und einen Teil des Schädels absägt.“16 Der Faschismus hat, im Gegensatz zum marxistischen Sozialismus, kein Interesse an einer Abschaffung des Privatbesitzes der Produktionsmittel, der Konkurrenz sowie der Integration ihres nationalen Plan in die Weltwirtschaft, womit eine Überwindung des Kapitalismus mittels Planwirtschaft nicht möglich wird. Der Antikapitalismus des Faschismus bleibt nur Rhetorik, die sich in Rufen nach Autarkie und somit durch die Abkopplung vom Welthandel auszeichnet, aber die Besitzverhältnisse unangetastet lässt.17

In dem Aufsatz „Porträt des Nationalsozialismus“ (Juni 1933) erläutert Trotzki das Wesen des Faschismus und des Nationalsozialismus am genauesten. Wie am Anfang des Kapitels bereits erwähnt, schreibt Trotzki auch hier, dass sich der Faschismus auf die Massen des enttäuschten und zugrunde gerichteten Mittelstandes (bzw. des Kleinbürgertums) stützt, die keine Möglichkeit auf einen sozialen Aufstieg noch auf eine Proletarisierung besitzen, da der Großteil der Proletarier ebenfalls arbeitslos ist.18

Durch den Weltkrieg, wirtschaftlichen Bankrott, ständige politische Krisen und verweigerten Dank für die Verdienste im Krieg wandte sich sich das Kleinbürgertum gegen den demokratischen Parlamentarismus, erhob sich gegen die alten Parteien und verlangte nach einer harten und eisernen Führung. Der Faschismus und der Nationalsozialismus gab ihm die Möglichkeit, all ihre Sorgen und jede Form von Unzufriedenheit zu vereinen. Mithilfe der wissenschaftlichen Analyse der Klassenbeziehungen, da Mussolini früher auf marxistischer Seite stand, konnten die „Führer“ die Mittelschicht gegen das Proletariat mobilisieren.19

Solange die Nationalsozialisten nur als Partei handelten und nicht an der Staatsmacht beteiligt waren, fanden sie keine Möglichkeit in der Arbeiterklasse vorzudringen. Selbst die Großbourgeoisie, von denen einige die Bewegung unterstützten, sahen die NSDAP nicht als ihre Partei an20. Der Faschismus stütze sich, laut Trotzki, einzig und allein auf das Kleinbürgertum, „den rückständigsten Teil der Nation, den schweren Ballast der Geschichte.“21 Der Mittelstand hoffte durch die Zerschlagung der Arbeiterorganisationen zu alter gesellschaftlicher Würde zurückzugelangen.22

Die Nationalsozialisten gaben ihrem Machtantritt den Namen „Revolution“, obwohl der Faschismus weder in Deutschland noch in Italien etwas an der gesellschaftlichen Ordnung änderte. Trotzki verleiht diesem Umsturz nicht einmal den Namen „Konterrevolution“23, er ist einfach nur „die Vollendung des Kreislaufs von Erschütterungen, der in Deutschland 1918 begann“24 und „das Schlussglied in der Kette der konterrevolutionären Verschiebungen [ist].“25

Trotzki bezeichnet den Faschismus als eine „anti-intellektuelle“ Bewegung. Der Kleinbürger stünde jeglichem Fortschritt feindlich gegenüber, denn er brächte ihm nur finanziellen Ruin. Die Nationalsozialisten lehnen sowohl den Darwinismus als auch den historischen Materialismus ab, da ein Sieg der Technologie über die Natur ein Sieg des großen Kapitals über das kleine bedeutet.26 Der Faschismus lösche den „Intellektualismus“ aus, „weil [seine] geschichtliche Rolle nicht zulässt, einen beliebigen Gedanken zu Ende zu führen[,] [d]er kleine Mann braucht eine höchste Instanz, die über Materie und Geschichte steht, gefeit gegen Konkurrenz, Inflation, Krise und Versteigerung.“27

Der Ökonomie, der Evolutionslehre und dem Rationalismus werden der nationale Idealismus und der Rassenwahn gegenübergestellt28, „[d]ie Nation Hitlers ist ein mythologischer Schatten des Kleinbürgertums selbst, sein pathetischer Wahn vom tausendjährigen Reich auf Erden.“29

Die Herrschaft des Faschismus beseitige jegliche „Zweifel der Fauste und das Schwanken der Hamlets vom Universitätskatheder[,] [a]us der Dämmerung der parlamentarischen Relativität tritt die Wissenschaft wieder in das Reich des Absoluten ein. Einstein musste Deutschland verlassen.“30

Laut Trotzki ist der Rassismus nichts weiter als eine „aufgeblasene und prahlerische Abart des Chauvinismus, gepaart mit Phrenologie.“31 Da der Kleinbürger nichts habe, auf das er stolz sein könne, hängt er sich, wie ein armer Adliger, an die Illusion der „Überlegenheit“ seiner eigenen Rasse. Trotzki merkt auch an, dass keiner der nationalsozialistischen Führer dem „arisch-germanischen“ Standard entspreche, was die Rassenideologie ad absurdum führt.32

Wie schon weiter oben angedeutet, verharrt der Antikapitalismus des Faschismus auf der Ebene bloßer Rhetorik. Im Nationalsozialismus wird er mit Antisemitismus und Rassismus gepaart. Die „Reinheit der Rasse“ wird im Reich des Geistes mittels Pass bewiesen, im Reich der Wirtschaft hingegen durch Geschäftstüchtigkeit, sprich Konkurrenzfähigkeit33, „[d]urch die Hintertür kehrt der Rassismus zum Wirtschaftsliberalismus zurück, der nur von politischen Freiheiten gereinigt ist.“34

Der Kleinbürger verneige sich vor dem Kapitalismus und bekämpfe den Geist des Profits in Gestalt bettelarmer, polnischer Juden, er trenne das raffende (jüdische) vom schaffenden Kapital ab. Doch obwohl sich der Faschismus auf das Kleinbürgertum mit seinen antikapitalistischen Sehnsüchten und Rufen nach Klassenverbrüderung stützt, wird er, sobald an der Macht, keinen Wunsch des Kleinbürgers in die Tat umsetzen. Vergessen sind Losungen wie die Verstaatlichung von Trusts und die Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens. Das Gegenteil wird der Fall sein, der Faschismus stellt den Kleinbürger in den Dienst des Kapitalismus und ersetzt seinen Partikularismus durch den zentralisierten Polizeistaat.35

Doch trotz der Widersprüche in Programmatik und Realität gibt der Faschismus die „kleinbürgerliche Illusion“ nicht auf, stattdessen koppelt er sie einfach von der Wirklichkeit ab und ummantelt sie mit symbolträchtigen Ritualen. Die Klassenvereinigung beschränkt sich auf Arbeitsdienstpflicht und die Feier des „Tages der Arbeit“. Die Verbrüderung der verschiedenen Klassen läuft darauf hinaus, dass die Reichen an einem staatlich festgelegten Tag Rücksicht auf die Armen nehmen, die Beseitigung Arbeitslosigkeit bedeutet nichts anderes, als dass die Hungerration noch einmal geteilt wird und „Autarkie“ nichts weiter ist als weiterer wirtschaftlicher Zerfall, der nur durch außenpolitische Erfolge (d.h. Krieg und Imperialismus) aufgehalten werden kann. Weder wird dadurch der Einfluss des Kapitalismus noch der (auch jüdischen) Bankiers begrenzt, im Gegenteil, der Faschismus stellt sich in die Dienste des Kapitals.36

Trotzki fasst es sehr gut zusammen: „Ist der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert, so sind die Straßen des Dritten Reiches mit Symbolen ausgelegt.“37

In „Der einzige Weg“ (September 1932) und „Bonapartismus und Faschismus. Zur Charakterisierung der heutigen Lage in Europa“ (Juli 1934) unterscheidet Trotzki zwischen „Faschismus“ und „Bonapartismus“ und stellt sich so gegen die stalinistische These, dass die Sozialdemokratie und die autoritär-konservativen Regime in Europa (z.B. die Brüning- und Papen-Schleicher-Regierung in Deutschland) faschistischer Natur seien.38 Der moderne Bonapartismus sei eine „Karikatur“ des Bonapartismus des 19. Jahrhunderts39, wie er in „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ (1852) von Karl Marx beschrieben wird.40 Trotzki definiert den Bonapartismus des 20. Jahrhunderts als eine militärisch-polizeiliche Diktatur, die entsteht, wenn der Kampf zwischen zwei sozialen Lagern (z.B. Ausbeuter gegen Ausgebeutete, Besitzende gegen Besitzlose) höchste Spannung erreicht und dadurch die Bedingungen für eine Herrschaft der Bürokratie, der Polizei und des Militärs gegeben sind, die Regierung wird somit unabhängig von der Gesellschaft.41 Trotzki verdeutlicht diese Form des Regierens durch eine Metapher: „Steckt man zwei Gabeln symmetrisch in einen Korken, kann dieser sich sogar auf einem Stecknadelkopf halten.“42

Wie bereits erwähnt, wendet sich Trotzki mit seiner Unterscheidung zwischen Bonapartismus und Faschismus gegen das Prinzip der Stalinisten, jedes „autoritär-reaktionäre“ Regime bzw. deren Führer als faschistisch zu bezeichnen, wie z.B. der serbische Zar Alexander, Carl Severing, Chiang Kai-shek, Masaryk und Brüning. Die Stalinisten nahmen an, dass sich das moderne Finanzkapital nicht mit der parlamentarischen Demokratie vertragen kann und deshalb zum Faschismus übergeht. Trotzki gibt ihnen in diesem Punkt recht, argumentiert aber, dass das Finanzkapital sich noch nie mit der Demokratie vertragen hat, dass es kein „reines Finanzkapital“ gibt, dass das Kapital trotz Vormachtstellung mit dem Widerstand unterdrückter Klassen rechnen muss und dass zwischen der parlamentarischen Demokratie und dem Faschismus noch mehrere Übergangsformen existieren. Eine dieser Formen ist der sogenannte Bonapartismus, der sich am ausgeprägtesten in Österreich unter Kanzler Engelbert Dollfuß entwickelt hat.43

Für Trotzki ist der Bonapartismus, ähnlich wie dessen Vorgänger der Cäsarismus, eine Regierung der Ausbeuter, „eine Regierung des Finanzkapitals, das die Spitzen der Bürokratie, der Polizei, der Offiziere und der Presse lenkt, inspiriert und besticht.“44 Der Faschismus und die parlamentarische Demokratie sind, im „sozialen Sinne“, ebenfalls Regierungen des Finanzkapitals. Das Weitergehende am Faschismus ist, dass dieser das Kleinbürgertum im Sinne des Finanzkapitals politisch mobilisiert und zu steuert. Doch für die Großbourgeoisie ist das eine heikle Angelegenheit, da das entfesselte, hasserfüllte Kleinbürgertum eine Gefahr für die Ordnung ist.45 Die Bourgeoisie nutzt den Faschismus zwar als Mittel, doch sie verabscheut ihn auch, da der Kleinbürger mit Neid und Hass auf diejenigen schaut, die über ihn stehen.46

Trotzki widerspricht auch der sogenannten „Sozialfaschismusthese“, die er als „eine anmaßende, marktschreierische […] Dummheit“47 bezeichnete. Er gibt der Sozialdemokratie zwar die Schuld am Wachstum des Faschismus, da sie durch die Propagierung des Glaubens an den „ewigen Kapitalismus“ jeglichen selbstständigen Geist aus dem Proletariat vertrieben hat, aber trotz alledem ist sie nicht der „linke Flügel“ des Faschismus.48 Der Faschismus sieht in der Sozialdemokratie weder einen Verbündeten noch will er sie tolerieren, im Gegenteil, er möchte sie abschaffen. Der Faschismus kann sich nur frei entfalten, wenn er jede Arbeiterorganisation und somit jeden Widerstand des Proletariats gebrochen hat.49

Fassen wir die trotzkistische Faschismustheorie zusammen: der Faschismus, zu dem Trotzki auch den deutschen Nationalsozialismus hinzuzählt, ist eine politische Bewegung, die sich auf die Massen des zugrunde gerichteten Kleinbürgertums stützt. Sie ist im Kern anti-marxistisch und richtet sich mit Gewalt gegen jede Form von Arbeitervereinigung (KPD, SPD, Gewerkschaften, u.a.) und insbesondere gegen die UdSSR. Trotzdem besitzt sie auch eine antikapitalistische Komponente, die jedoch nur Rhetorik bleibt und den wirtschaftlichen Status Quo unangetastet lässt. Die Gelüste des Kleinbürgertums werden durch Rituale und Symbole gestillt. Der Faschismus ist rassistisch, antisemitisch und anti-intellektuell. Durch die Widersprüche im Inneren sind die faschistischen Regime gezwungen außenpolitische Erfolge vorzuweisen, weshalb Faschismus und Krieg/Imperialismus zwei Seiten der selben Medaille sind. Der Faschismus ist, ebenso wie die parlamentarische Demokratie, eine Regierung des Finanzkapitals, die diesen benutzt, um das Kleinbürgertum gegen das Proletariat zu mobilisieren. Aber: nicht jedes autoritäre, anti-marxistische Regime ist ein faschistisches. Trotzki unterscheidet noch eine Übergangsform von parlamentarischer Demokratie zum Faschismus, nämlich den sogenannten Bonapartismus, der die Herrschaft des Finanzkapitals mittels Polizei, Militär und Bürokratie darstellt.

1Vgl. Leo Trotzki, Ein Sieg Hitlers bedeutet Krieg gegen die UdSSR. April 1932, in: Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, hrsg. von Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999, S. 193.

2Ebd.

3Ebd.

4Vgl. ebd.

5Vgl. ebd., S. 194.

6Ebd.

7Vgl. ebd.

8Vgl. ebd., S. 194f.

9Ebd.

10Vgl. Leo Trotzki, Ein Sieg Hitlers bedeutet Krieg gegen die UdSSR, S. 197.

11Ebd.

12Vgl. ebd., S. 199.

13Vgl. Leo Trotzki, Der einzige Weg. September 1932, in: Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, hrsg. von Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999, S. 202.

14Ebd.

15Vgl. ebd.

16Ebd.

17Vgl. ebd.

18Vgl. Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus. Juni 1933, in: Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, hrsg. von Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999, S. 301.

19Vgl. Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus, S. 301ff.

20Vgl. ebd., S. 303.

21Ebd.

22Vgl. ebd.

23Vgl. ebd.

24Ebd.

25Ebd., S. 304.

26Vgl. ebd.

27Ebd.

28Vgl. ebd.

29Ebd.

30Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus, S. 305.

31Ebd.

32Vgl. ebd.

33Vgl. ebd., S. 306.

34Ebd.

35Vgl. ebd., S. 306f.

36Vgl. ebd., S. 307ff.

37Ebd., S. 308.

38Vgl. Leo Trotzki, Der einzige Weg, S. 205.

39Vgl. ebd.

40Vgl. Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Gesammelte Werke, hrsg. von Kurt Lhotzky, Köln 2016, S. 327-448.

41Vgl. Leo Trotzki, Der einzige Weg, S. 205.

42Ebd., S. 205f.

43Vgl. Leo Trotzki, Bonapartismus und Faschismus. Zur Charakterisierung der heutigen Lage in Europa. Juli 1934, in: Leo Trotzki, Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, hrsg. von Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999, S. 336f.

44Ebd., S. 339.

45Vgl. ebd., S. 339f.

46Vgl. Leo Trotzki, Der einzige Weg, S. 211f.

47Ebd., S. 213f.

48Vgl. ebd., S. 215.

49Vgl. ebd., S. 218.

3. Bürgerliche Faschismustheorien

Robert O. Paxton nähert sich seiner Faschismustheorie über die Herkunft des Wortes „Faschismus“ an, das vom italienischen Wort „fascio“, wörtlich übersetzt „Bündel“, stammt. Es geht zurück auf das lateinische „fasces“, eine Axt umgeben von Stöcken, das von einem römischen Magistrat getragen wurde, um die Autorität und Einigkeit des Staates hervorzuheben. Das Wort „fascio“ wurde im 19. Jahrhundert von italienischen Revolutionären benutzt, um Solidarität mit anderen Radikalen auszudrücken. Später nutzten linke Nationalisten, nationalistisch gesinnte Ex-Soldaten und Syndikalisten, die sich um den ausgestoßenen Ex-Sozialisten Benito Mussolini scharten, eine Abwandlung des alten italienischen Wortes: „fascismo“.1

Ähnlich wie Trotzki sieht auch Paxton im Faschismus eine antikapitalistische Komponente. Dabei erfolgt auf einer rhetorischen Ebene der Angriff auf den „Finanzkapitalismus“ ebenso scharf wie auf den linken Sozialismus. Doch sobald faschistische Bewegungen an der Macht waren, setzten sie fast nichts von ihrem Antikapitalismus in die Tat um. Faschistischer Antikapitalismus war auch höchst selektiv. Während sie das „spekulative internationale Finanzkapital“ angriffen, respektierten sie das Eigentum nationaler Produzenten. Sie kritisierten den Kapitalismus nicht wegen seiner Ausbeutung, sondern wegen seines Materialismus. Der Faschismus attackierte die Bourgeoisie, nicht weil sie die Ausbeuterklasse war und in der wirtschaftlichen Hierarchie über den Proletariern stand, sondern weil sie zu individualistisch und „schlaff“ ist.2 Selbst in seiner radikalsten Form forderte der Faschismus nichts weiter als einen „nationalen Sozialismus“, einen, der nur ausländische oder Eigentumsrechte von (inneren) Feinden verneinte, aber die nationalen unangetastet lässt.3

Eine zentrale Komponente des Faschismus ist seine Fokussierung auf die Freund-Feind-Dichotomie und die daraus folgende „Reinigung“ der Gesellschaft. Faschisten sehen sowohl Feinde außerhalb der Nation (andere Staaten) als auch im Inneren (Marxisten, Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle, etc.). Der Faschismus benötigt einen dämonisierten Feind, um die Massen zu mobilisieren. Dieser muss nicht unbedingt jüdisch sein, jede Nation hat ihr eigenes, spezielles und sich ständig anpassendes Feindbild. Wie die Gesellschaft (bzw. die Nation oder die „Rasse“) von diesem Feind „bereinigt“ werden soll, und auf welcher Basis das stattfindet, unterscheidet sich aber in den Varianten des Faschismus. Der Nationalsozialismus setzt auf ein völkisches Weltbild und eine „biologische Reinigung“, die die Nation als lebenden Organismus sieht, von dem „kranke Stellen“ (körperlich eingeschränkte/ psychisch auffällige Menschen, sogenannte „Asoziale“, „jüdische Parasiten“, usw.) entfernt werden müssen. Der italienische Faschismus hingegen lehnte den biologischen Rassismus aus Amerika und Nordeuropa ab, sein „Rassebegriff“ wurzelte in kulturell-historischen Begriffen, der sich in der Praxis durch nationalen Chauvinismus ausdrückte.4

Paxton stimmt der These Trotzkis nur teilweise zu, dass sich der Faschismus aus dem Mittelstand rekrutiert. Viele Anhänger kämen aus der Mittelschicht, doch alle politischen Parteien stützten sich auf ihn. Bei genauerer Betrachtung stießen auch Mitglieder höherer Schichten sowie Arbeiter (wobei es weniger als beim linken Sozialismus waren) zum Faschismus hinzu. Somit war der Faschismus eher eine „Catch-All“-Bewegung.5

Ein weiteres Element aller faschistischen Bewegungen ist ihr Anti-Sozialismus. Schon bei der „Geburt“ der neuen politischen Ideologie in Mailand am 23. März 1919 erklärten die versammelten Kriegsveteranen, Syndikalisten und Futuristen dem linken Sozialismus den Krieg.6 Paxton beschreibt den Faschismus als „a popular movement against the Left and against liberal individualism.“7

Er beschreibt auch im Detail, welche Bewegungen und welche Regime zum Faschismus gehören und welche nicht, denn nicht jedes antidemokratische, autoritäre Regime ist faschistischer Natur. Er zählt nicht jede prädemokratische Regierung zum Faschismus, da der manipulierte Massenenthusiasmus sowie auch der Drang nach nationaler „Reinigung“ und Einigkeit fehlt. Eben sowenig sind Militärdiktaturen, wie z.B. die Pinochet-Diktatur in Chile faschistisch, da sie sich weder auf die Massen stützen noch diese mobilisieren wollen. Dann gäbe es noch die traditionell-autoritären Regime wie Vichy-Frankreich, Francos Spanien, der österreichische Ständestaat unter Engelbert Dollfuß und Salazars portugiesischer „Estado Novo“. Diese unterscheiden sich vom Faschismus dadurch, dass sie die Bevölkerung in einem passiven Zustand halten, die Gesellschaft „entpolitisieren“ wollen und sich größtenteils aus der Privatsphäre des gehorsamen Bürgers heraushalten, dabei wird der Staat von der (katholischen) Kirche, dem Militär und großen Landbesitzern gestützt. Es können faschistische Merkmale (wie z.B. Verherrlichung des Militärs, Nationalismus, Führerkult) übernommen werden, diese bleiben aber auf ein Minimum reduziert. Im Falle von Francos Spanien wurde die faschistische Falange in eine Massenstaatspartei absorbiert, wodurch sie bedeutungslos wurde. Salazar ließ sogar die portugiesische faschistische Bewegung niederschlagen und unterdrücken.8

Sonderfälle bilden das japanische Kaiserreich sowie Argentinien unter Juan Perón. Das imperiale Japan zeichnete sich durch eine Mischung aus Militärdiktatur, absoluter Monarchie und Faschismus aus. Zu den faschistischen Merkmalen gehören eine ökonomische Organisation auf Basis des Korporationismus, die Militarisierung der Gesellschaft sowie die Kontrolle der Bevölkerung. Die genannten Merkmale und das Fehlen einer populären Massenpartei fasste Paxton als „Faschismus von oben“ auf. Paradoxerweise ließ das Kaiserreich die japanische Faschismusbewegung niederschlagen und exekutierte ihre Anführer. Deshalb sollte es auch eher als eine expansionistische Militärdiktatur mit staatsgeförderter Mobilisierung angesehen werden als eine Form des Faschismus.9

Juan Peróns Argentinien kann auch nicht als Faschismus klassifiziert werden. Zwar zeichnete sich sein Regime durch einen harten Antisozialismus und Einschüchterungen durch den Polizeiapparat aus, aber ihm fehlte der dämonisierte innere/äußere Feind. Es zeigte auch nie einen Drang nach Expansion oder Krieg, geschweige denn der Auslöschung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe. Paxton beschreibt das Regime daher als eine national-populistische Entwicklungsdiktatur mit faschistischen Merkmalen, die mehr Ähnlichkeit mit Mussolinis Faschismus hat als mit dem Hitlerschen Nationalsozialismus.10

Paxton lehnt auch deutlich die marxistische (bzw. trotzkistische) Theorie ab, dass der Faschismus ein „Agent“ bzw. „Notfallsystem“ des Kapitalismus sei. Für die These, dass reiche Geschäftsleute den Faschismus mit massiven Geldspenden unterstützen, um antimarxistische Armeen aufzubauen gebe es zu wenig empirische Beweise. Fakt ist, dass einige von ihnen Hitler und Mussolini unterstützten, doch der größte Teil der Geschäftsleute tendierte zu traditionellen Konservativen und ihren autoritären Regimen.11

Zusammengefasst: Paxton vertritt eine „generische“ Faschismustheorie, d.h. als Faschismus gilt nicht nur das italienische Modell unter Mussolini, sondern auch alle ähnlichen Varianten.12 Unter Faschismus versteht Paxton eine nationalistische, massenpolitische Ideologie, die sich gegen Sozialismus und individualistischen Liberalismus richtet. Sie stellt eine bestimmte Gruppe (in den meisten Fällen die „Nation“) in den Fokus, jedes Individuum hat sich dieser Gruppe zu verpflichten und unterzuordnen. Diese Gruppe ist ein Opfer „fremder“ und „feindlicher“ Einflüsse (wie Klassenkampf, Liberalismus, Individualismus, etc.) und muss vor inneren und äußeren Feinden mit allen Mitteln beschützt werden. Im Faschismus stehen grundsätzlich (männliche) Anführer an der Spitze, deren überlegene, natürliche Instinkte über der universalen Vernunft stehen und die die Gruppe zu ihrem vom Schicksal bestimmten Ziel lenken. Der Faschismus strebt eine homogene, „reine“ Gemeinschaft an, die entweder durch freiwillige Zustimmung entsteht oder durch Exklusion „fremder“ Objekte, notfalls per Zwang. Gewalt, Expansion und Krieg werden als legitime Mittel in allen Fällen betrachtet und verherrlicht.13 Paxton merkt aber auch an, dass die faschistische Ideologie nichts statisches, sondern ausgesprochen formbar ist. Nicht das politische Programm steht im Vordergrund, sondern die Tat.14 Ein faschistischer Aktivist fasste es 1920 sehr gut zusammen: „The fist […] is the synthesis of our theory.“15

Ich wende mich nun der Faschismustheorie von Roger Griffin zu. Er vertritt, ähnlich wie Robert O. Paxton, eine „generische Faschismustheorie“, die sich aber in einigen Punkten von der vorherigen unterscheidet. Griffin sieht im Faschismus, im Gegensatz zu marxistischen Analytikern, keine reaktionäre oder gar konservative Kraft, sondern eine modernisierende, revolutionäre und dynamische. Ähnlich wie bei Paxton wird auch in der Griffinschen Theorie der Faschismus nicht als eine vom Kapitalismus oder von der Bourgeoisie gestützte Bewegung gesehen. Die Marxisten des 20. Jahrhunderts hätten nicht verstanden, dass sie eigentlich mit einem ebenfalls revolutionären, antibürgerlichen und antikapitalistischen Rivalen konfrontiert wurden, der eine alternative Version des Bolschewismus verfolgte – basierend nicht auf Sozialismus, sondern auf radikalem Nationalismus.16

Griffin bemerkt in Trotzkis Theorie zwar einige Nuancen, wie z. B. die Unterscheidung zwischen „Bonapartismus“ und „Faschismus“, doch auch er ist im orthodox-marxistischen Gedanken gefangen, dass der Faschismus eine Regierung des Finanzkapitals sei, und behauptet sogar, dass Hitler vom „Monopolkapitalismus“ gesteuert wurde.17

Er lehnt die These Trotzkis ab, dass sich die Massen des Faschismus aus der Mittelschicht bzw. dem Kleinbürgertum rekrutieren, dafür gebe es keine sachlichen Beweise. Egal in welcher Form der Faschismus auftritt, seine Anhänger stammen aus allen möglichen sozialen Schichten, besonders aus dem ländlichen und bäuerlichen Raum.18

Im Zentrum von Griffins Faschismustheorie steht der sogenannte „palingenetische Ultranationalismus“. Im Folgenden werde ich die beiden Begriffe genauer erläutern. Der Begriff „Palingenese“ ist eine Zusammenfügung der beiden griechischen Wörter „palin“ (wieder) und „Genese“ (Geburt), also „Wiedergeburt“. Es drückt die Vision des Faschismus von einer kurz eventuell bevorstehenden Wiedergeburt aus. Die Erwartungen einer „Palingenese“, die auf die Rasse oder die Nation projiziert werden, stellen in Griffins eigener Version eines Idealtyps des Faschismus den größten Antreiber für faschistische Gewalt dar und zwar noch vor einem spezifisch ausgearbeiteten politischen Programm.19

In der Griffinschen Faschismustheorie wird die „Palingenese“ mit dem sogenannten „Ultranationalismus“ (so viel wie „jenseits von Nationalismus“) gekoppelt. Die „Ultra-Nation“ ist die imaginäre Gemeinschaft (die „Nation“ oder die „Rasse“), die im Zentrum des faschistischen Denkens steht. Dieser Form des „Nationalismus“, auch wenn sie den Schein von demokratischer Legitimität bewahrt, fehlt jegliche Verbindung zu Humanismus oder Egalitarismus, weshalb der faschistische „Ultranationalismus“ auch den „liberalen Nationalismus“ ablehnt. Im Weltbild des Faschismus wird die Nation „biologisiert“, also in einen lebendigen Organismus verwandelt, weshalb sie auch „krank“, „dekadent“, „gesund“, „gedemütigt“ oder „wiedergeboren“ sein kann.20

Die Visionen der „Wiedergeburt“ der „Ultra-Nation“ sind dabei oftmals sehr unspezifisch und vage in ihrer Realisierbarkeit. Aber genau darin liegt die Stärke der faschistischen Ideologie, da sie Gefühle anspricht und eine Idee bietet, auf die jeder seine eigenen Vorstellungen projizieren kann21 (ähnlich wie Robert O. Paxton schreibt: „Fascism was an affair of the gut more than of the brain.“22).

Die „Ultra-Nation“ des Faschismus ist ein überindividuelles Produkt der faschistischen Fantasie, bei der sowohl Aspekte des „Vaterlandes“ bzw. „Mutterlandes“ als auch die mythisierte historische und „rassische“ Vergangenheit miteinbezogen werden. Dadurch entsteht ein „mythischer Mittelpunkt“, der dafür sorgt, dass sich Faschisten als Teil einer überpersönlichen, übergeordneten Gemeinschaft von Identität, Zugehörigkeit und gemeinsamer Kultur, auf der Basis von Geschichte, Territorium, Religion, Blut und Sprache (oder eine Mischung aus mehreren), sehen. Griffin argumentiert, dass die „Ultra-Nation“ Ähnlichkeiten mit dem jüdisch-christlichen Gott aufweist23: „Sie lebt sowohl in und durch die Entfaltung der historischen Zeit und gleichzeitig in der überhistorischen Ewigkeit des Volkes oder der Rasse.“24

Zusätzlich kann die „Ultra-Nation“ in extremen Situationen, wenn z.B. das „Heimatland“ bedroht ist oder das „Vaterland“ ruft, „Liebe, Hingabe und Leid von Gläubigen buchstäblich bis zum Opfer verlangen und so ihr Leben durch den Tod heilig sprechen, während die Ultra-Nation geheilt wird.“25 Roger Griffin merkt an, dass auch liberale Demokratien in extremen Situationen eine ähnliche politische Religion entwickeln und eine ähnlich starke Hingabe von ihren Bürgern verlangen können, der Unterschied zum Faschismus ist, dass dieser den nationalen Notstand oder den Krieg nicht als einen Ausnahmezustand begreift, sondern als neuen gesellschaftlichen Status Quo.26

Wie schon erwähnt, verwandelt die „Ultra-Nation“ die Gesellschaft in einen lebenden Organismus. Daraus sollte aber nicht der Schluss gezogen werden, dass Faschismus immer biologisch oder genetisch rassistisch ist. Eugenik, biologischer und pseudowissenschaftlicher Rassismus sowie die Besessenheit von Rassenreinheit, „Blutlinien“ und Erblichkeit sind nicht zwingend Bestandteile der faschistischen Imagination der „Ultra-Nation“. Genauso wenig geht sie zwingend genozidal gegen Außenseitergruppen vor, wie es z.B. der Nationalsozialismus, die Ustascha oder die Eiserne Garde taten. Auch muss die „Ultra-Nation“ nicht unbedingt mit dem Nationalstaat übereinstimmen, wodurch sich der faschistische Ultranationalismus mit anderen Ultranationalismen verbünden kann, um gegen gemeinsame Feinde zu kämpfen.27 Hier stimmt die Theorie Griffins in einigen Punkten mit der von Paxton überein.

Im Folgenden möchte ich anhand von zwei Beispielen (italienischer Faschismus und deutscher Nationalsozialismus) den Begriff der „Ultra-Nation“ näher erläutern.

Die „wiedergeborene“ Nation des italienischen Faschismus war vielfältig und zog Inspiration aus mehreren Quellen. Da wäre zum einen das historische Italien der Stadtstaaten mit seiner Renaissance-Kunst, das sogenannte „Proto-Italien“, das der Welt die katholische Kirche gab, das „utopistische“ Italien mit seinem Lokalpatriotismus und seinem xenophoben Kult des Vaterlandes, kombiniert mit einem Gründungsmythos, der das moderne Italien als direkten und geistigen Erben des Römischen Reiches sah. Doch der Blick wurde nicht nur gen Vergangenheit geworfen, sondern auch nach vorne gerichtet. Die „wiedergeborene“ Nation sollte auch futuristisch sein, komplett mit einem fortschrittlichen Verkehrssystem, modernistischer Kunst und Architektur, Luftfahrt, transatlantischen Reisen, korporativer Wirtschaft, einem ausgebauten Sozialstaat, technologischen Fortschritt, einem mächtigen Militär, das sich auf den neuesten Stand befand und einem Neuen Menschen. Alles zusammen sollte die „Ultra-Nation“ bilden: eine italienische Großmacht mit eigenem afrikanischen Imperium im Geiste des Römischen Reiches, eine neue Weltzivilisation, ein sogenanntes „Drittes Rom“.28

Roger Griffin merkt aber auch an, dass diese neue „Ultra-Nation“ zumindest anfangs nicht „biologisch“ oder „genetisch“ begründet war, obwohl es auch im italienischen Faschismus rassistische und eugenische Strömungen gab. Die modernen Italiener waren nicht durch „Blutlinien“ mit den Römern verbunden, sondern durch Geist und Kultur. Das änderte sich erst mit der Einführung der Rassengesetze im Jahre 1938 und durch die zunehmende Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland.29

Die „Ultra-Nation“ des sogenannten „Dritten Reiches“ unterscheidet sich in einem Punkt ganz besonders vom italienischen Faschismus. Die Basis des deutschen Nationalsozialismus war von Anfang an ein „biologischer“ Rassismus. Das liegt daran, dass in Deutschland eher ein offeneres akademisches und intellektuelles Umfeld für Rassenhygiene, Polygenese, Rassengeopolitik, Eugenik und dergleichen existierte als in Italien. Aber auch der nationalsozialistische Ultranationalismus war vielfältig geprägt, zum einen durch den Hyperpatriotismus des Deutschen Kaiserreiches und des Ersten Weltkrieges, zum anderen auch durch die mittelalterlichen Kathedralen, den modernen Imperialismus, die romantische Literatur ebenso wie durch die Erfolge der deutschen Technologie und Industrie. Besonders geprägt war der Ultranationalismus durch die „völkischen“ Bewegungen des 19. Jahrhunderts, mit ihren Ideen von „Blut und Boden“, Okkultismus, Heidentum und Kolonialismus. Das alles wurde zu einem Gründungsmythos kombiniert, der die Deutschen als Nachfahren einer „arischen Überrasse“ sah.30

Die Besessenheit von „Rassenreinheit“ ist der größte Unterschied zwischen der „Ultra-Nation“ der Deutschen und der der Italiener. Während der italienische Faschismus sich darauf konzentrierte die Bevölkerung in einem totalitären Geist zu „nationalisieren“, versuchte der Nationalsozialismus die Deutschen zu „arisieren“, durch Propaganda, ein nazifiziertes Bildungssystem, „völkisch“ durchtränkte Wissenschaften, „deutsche“ Malerei und Kunst bis hin zur Beschlagnahme jüdischen Eigentums und der Vernichtung „unwerten“ Lebens.31

Roger Griffin fasst seine Faschismustheorie mit einer Ein-Satz-Definition zusammen: „Faschismus ist eine Gattung der politischen Ideologie, deren mythischer Kern in seinen diversen Varianten eine palingenetische Form von populistischen Ultranationalismus ist.“32

Faschismus ist für ihn ein generisches Phänomen, das sich in vielen verschiedenen Formen äußern kann, ähnlich wie andere politische Ideologien, z.B. Liberalismus, Sozialismus und Konservatismus. Zentral für den Idealtyp des Faschismus ist die „Ultra-Nation“, eine Art „organisches“ Volk, das vor Dekadenz und Auflösung gerettet werden muss. Eine Avantgarde von fanatischen Anhängern soll die Massen mobilisieren, um „populistische Energien der Erneuerung“, eine sogenannte „Palingenese“ freizusetzen und so die Wiedergeburt der „Ultra-Nation“ auszulösen33 und „dadurch eine neue, revolutionär nationale und zivilisatorische Ordnung einzuleiten.“34

1Vgl. Robert O. Paxton, The Anatomy of Fascism, London 2004, S. 4.

2Vgl. ebd., S. 10.

3Vgl. ebd., S. 56.

4Vgl. Robert O. Paxton, The Anatomy of Fascism, S. 36f.

5Vgl. ebd., S. 50.

6Vgl. ebd., S. 5.

7Ebd., S. 21.

8Vgl. Robert O. Paxton, The Anatomy of Fascism, S. 201-218.

9Vgl. ebd., S. 198ff.

10Vgl. ebd., S. 195ff.

11Vgl. ebd., S. 66, S. 145.

12Vgl. ebd., S. 55-86.

13Vgl. Robert O. Paxton, The Anatomy of Fascism, S. 219f.

14Vgl. ebd., S. 218f.

15Zitiert nach: ebd., S. 17

16Vgl. Roger Griffin, Faschismus. Eine Einführung in die vergleichende Faschismusforschung, Stuttgart 2020, S. 39f.

17Vgl. ebd., S. 48.

18Vgl. ebd., S. 60.

19Vgl. Roger Griffin, Faschismus, S. 75f.

20Vgl. ebd., S. 77.

21Vgl. ebd., S. 79.

22Robert O. Paxton, The Anatomy of Fascism, S. 42.

23Vgl. Roger Griffin, Faschismus, S. 79f.

24Ebd., S. 80.

25Roger Griffin, Faschismus, S. 80.

26Vgl. ebd., S. 80f.

27Vgl. ebd., S. 81f.

28Vgl. Roger Griffin, Faschismus, S. 111f.

29Vgl. ebd., S.111ff.

30Vgl. ebd., S.113f.

31Vgl. ebd., S. 114ff.

32Ebd., S. 82.

33Vgl. Roger Griffin, Faschismus, S. 83.

34Ebd.

4. Rechte Faschismustheorien

Bevor ich die rechten Faschismustheorien näher betrachte, muss vorher das Selbstverständnis des Faschismus beleuchtet werden. Dazu beziehe ich mich im folgenden Abschnitt auf „Die politische und soziale Doktrin“ von Benito Mussolini, einen Text, auf den sich die rechten Faschismustheorien stützen.

Mussolini macht am Anfang klar, dass er beim Faschismus nie eine konkrete Doktrin im Kopf hatte, die einzige Doktrin, die er kannte, war der Sozialismus. Seine eigenes politisches Programm war immer ein Programm der Tat. Faschismus hatte nie detaillierte Ausarbeitungen1, denn Faschismus „was born of the need for action and it was itself from the beginning practical than theoretical.“2 Der Faschismus ist keine politische Partei, sondern eine „lebende Bewegung“, die in Opposition zu allen etablierten politischen Parteien steht. Faschismus sei einzigartig, mit einer eigenen Perspektive und eigenen Lösungswegen für Probleme.3

Mussolini schreibt, dass Krieg und Kampf zentral für den Faschismus seien und er daher Pazifismus ablehnt. Der Krieg der Nationen und der Kampf der Einzelnen bringt das Höchste in den Menschen hervor. Der Faschist akzeptiere daher das Leben und verabscheue den Selbstmord, da Leben Kampf, Ehre und Eroberung bedeute.4

Ebenso steht der Faschismus in Opposition zum „Marxistischen Sozialismus“ mit seinem Materialismus. Mussolini erkennt zwar an, dass ökonomische Veränderungen wichtig seien, aber sie sind keinesfalls der Motor der menschlichen Geschichte. Faschismus glaubt an Heiligkeit und Heldentum und nicht an Taten, beeinflusst durch wirtschaftliche Motive. Auch die Idee des Klassenkampfes als transformative Kraft in der Gesellschaft wird vom Faschismus verneint.5

Demokratie und Liberalismus (politisch wie auch wirtschaftlich) werden vom Faschismus abgelehnt, da er nicht glaubt, dass eine simple Mehrheit in der Bevölkerung die Gesellschaft steuern kann6, „it denies that numbers alone can govern by means of periodical consultation.“7

Aber die Verneinung von Demokratie, Sozialismus und Liberalismus bedeutet nicht, dass der Faschismus zu einer Welt vor 1789 zurückkehren möchte, die Zeit der Absoluten Monarchie ist endgültig vorbei. Der faschistische Staat ist einzigartig, nicht reaktionär sondern revolutionär. Er ist stark und ein „organischer Körper“, gestützt durch populäre Massen. Die Entscheidungsgewalt liegt beim faschistischen Staat, nur er allein kann Sicherheit im Inneren und Äußeren garantieren, nur er allein kann die Wirtschaft (Bewältigung der kapitalistischen Krisen) und die Nation organisieren. Das Individuum behält einen Teil seiner Freiheit, wird aber von allem „unnützen“ oder „schädlichen“, wie der demokratischen Entscheidungsgewalt befreit.8

Zusammengefasst: Der Faschismus ist eine pragmatische, antidemokratische, antimarxistische, illiberale, populistische, antikapitalistische Ideologie, die einen mächtigen, kollektiven Staat bevorzugt und den Krieg bzw. den Kampf verherrlicht.

Betrachten wir nun die Faschismustheorie des italienischen Philosophen und Traditionalisten Julius Evola. Ähnlich wie Mussolini schreibt auch er, dass der Faschismus, im Gegensatz zu Kommunismus und (in Teilen) Nationalsozialismus, über kein ausgearbeitetes Programm verfügt, dass über „Taten“ und „Revolution“ hinausgeht.9 Evola sieht im Faschismus eine Reaktion heimkehrender Kriegsveteranen auf eine Krise des Staates und der Autorität. Der Erste Weltkrieg „erweckte“ die tief schlummernde Intoleranz der Soldaten gegen die bürgerliche Gesellschaft.10

Evola sieht im Faschismus, besonders im italienischen Faschismus zwischen 1922 bis 1943, eine monarchistische Komponente. Das faschistische System beschreibt er als sogenannte Dyarchie, also eine Doppelherrschaft aus Monarch und Diktator, ähnlich wie die Diktatur im Römischen Reich oder die Herrschaftsformen von Bismarck und Metternich. Ohne die Monarchie wäre die Herrschaft des Faschismus überhaupt nicht möglich.11

Obwohl Faschismus antidemokratisch ist, sieht Evola immer noch demokratische Eigenschaften in der Ideologie. Da wäre zum einen die Existenz einer Massenpartei, in die jeder eintreten darf (und jeder eintreten musste) sowie der Führerkult Mussolinis, da er immer zu den „Leuten“ sprechen musste und den Applaus der Massen liebte. Hinzu kommt, dass Mussolini immer behauptete, dass das faschistische Italien eine „wahre Demokratie“ sei. Auch die Existenz eines „Großfaschistischen Rates“, wo die einzelnen Mitglieder über Themen abstimmen konnten, spricht für einen demokratischen Charakter. Dadurch lehnte der Faschismus die Demokratie nicht zu einhundert Prozent ab.12 Das deckt sich auch mit der Aussage von Mussolini: „Fascism may write itself down as an organized, centralized and authoritative democracy.‘“13

Eine weitere wichtige Eigenschaft von Faschismus ist laut Evola das wirtschaftliche System, der sogenannte „Korporationismus“. Seiner Auffassung nach ging er nicht weit genug, da die Gewerkschaften noch zu viel Macht hatten14, „the existence of trade unionism brings about a situation that is chaotic, inorganic and unstable.“15 Eigentlich sollte der Korporationismus an dieser Situation etwas ändern, doch die Reformen gingen nicht weit genug. Es wurde letztlich nur ein Gesetz verfasst, das die Teilung von Arbeitgeber und Arbeiter in zwei Gruppen festschrieb. Der Nationalsozialismus (und die konterrevolutionären Regime in Spanien und Portugal) gingen da viel weiter. In Deutschland wurden die Gewerkschaften gänzlich aufgelöst und die Arbeiter unter der „Deutschen Arbeitsfront“ vereinigt. In den Betrieben wurde eine strikte und „organische“ Hierarchie eingeführt, die den Chef eines Unternehmens als „Betriebsführer“ und die Arbeiter als „Gefolgschaft“ betitelte. Spanien unter Franco ging in eine ähnliche Richtung, zusätzlich wurden Arbeitgeber und

-nehmer nicht feindlich gegenübergestellt, sondern arbeiteten in einer „solidarischen Einigkeit“ zusammen.16

Obwohl der italienische Korporationismus nicht seine volle Blüte erreichte, war er trotzdem in den Augen Evolas eine solide, antimarxistische Idee, die nicht als „Sozialismus“ beschrieben werden kann. Aus dieser Perspektive heraus kann Faschismus als ein „dritter Weg“ beschrieben werden, der sowohl gegen Kapitalismus als auch Kommunismus ist.17

Zusammengefasst: Evolas Theorie beschreibt den Faschismus als eine pragmatische Ideologie, die im Gegensatz zu anderen politischen Orientierungen wie den Kommunismus, über kein detailliert ausgearbeitetes Programm verfügt, sondern mit Taten spricht. Für ihn ist der Faschismus eine antimarxistische, antibürgerliche, antisozialistische, populistische Bewegung, die ihre Ideen in den zwanzig Jahren ihrer Herrschaft nicht zu Ende geführt hat. So hat Mussolini weder die Demokratie vollständig abgelehnt, noch dem „Treiben“ der Gewerkschaften ein Ende gesetzt, wodurch der korporatistische Gedanke sich nicht vollständig entwickeln konnte. Evola spricht in seinem Werk „Fascism viewed from the Right“ nur über den italienischen Faschismus, es ist also nicht klar, ob er den deutschen Nationalsozialismus als eine Form des Faschismus sieht.18 Fakt ist aber, dass er Francos Spanien und Salazars Portugal nicht zum Faschismus sondern zur konterrevolutionären Bewegung zählt.

Betrachten wir als letztes nun die Faschismustheorie von Armin Mohler. In der Tradition von Mussolini und Evola sieht auch er den Faschismus nicht als ein detailliertes Programm, sondern als „Tat“, genauer gesagt als „Stil“.19 Er schreibt:

der Faschismus ist nicht stumm, im Gegenteil: er liebt die Worte, aber sie sind nicht dazu da, einen logischen Zusammenhang festzuhalten. […] Faschisten [können] sich offensichtlich leicht mit Unstimmigkeiten der Theorie abfinden. Ihre Verständigung vollzieht sich auf die direkterem Wege – eben über den Stil.20

Diesen „Stil“ beschreibt Mohler als „kalte[n] Stil, rapid, funkelnd, großartig.“21 Für ihn sind die sogenannte „direkte Aktion“ und mit ihr die „symbolische Gewalt“ Kernelemente des Faschismus. Diese „Gewalt“ ist spezifisch für den Faschismus, sie äußert sich im Putsch, im gezielten Attentat, im Marsch auf Rom und in Strafexpeditionen gegen Ballungen von Feinden. Die Unterwanderung des Staates, der anonyme Terror und Massen-Liquidationen sind dem Faschismus, im Gegensatz zum russischen Bolschewismus und dem deutschen Nationalsozialismus, fremd. Die Gewalt des Faschismus ist immer direkt, plötzlich, sichtbar, demonstrativ und symbolisch, wie z.B. die Verteidigung eines militärisch wertlosen aber symbolisch hochwertigen Gebäudes. Der Tod ist für den Faschisten immer ein Kampf zwischen ebenbürtigen Gegnern, kein massenhaftes Töten von Menschen, die nach abstrakten Prinzipien eingeordnet wurden. Um solche anonymen Exekutionen durchzuführen, müsste der Faschist die Welt dualistisch in Schwarz und Weiß einordnen, statt die „Einheit in der Vielfalt“ zu sehen.22 [Der Faschist] vermag die Welt nur im Agon, im Wettkampf, zu sehen, nicht manichäisch gespalten.“23

Im Gegensatz zu den sogenannten bürgerlichen Historikern vertritt Mohler keine „generische“ Faschismustheorie. Zwar gab es in der Zwischenkriegszeit viele Bewegungen, die sich gegen Liberalismus und Linksradikalismus abgrenzten und bestimmte Züge des italienischen Faschismus enthielten, wie die spanische Falange unter José Antonio Primo de Rivera, die British Union of Fascists unter Oswald Mosley, die belgischen Rexisten unter Léon Degrelle, die französische Parti populaire francais unter Jacques Doriot und die rumänische Eiserne Garde unter Corneliu Zelea Codreanu, wobei die ersten drei erstaunliche Stilgemeinsamkeiten mit dem italienischen Vorbild haben, aber die beiden letzten zu „exotisch“ sind, um sie zum Faschismusbegriff zu zählen. Besonders die Eiserne Garde mit ihrem bäuerlich-ländlichen Ursprung und ihrem tief christlichen Glauben unterschied sich stark vom großstädtisch-modernen Faschismus. Die Anhänger der Garde wurden sogar von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gebracht.24

Der deutsche Nationalsozialismus wird von Mohler ebenfalls nicht zum Faschismus gezählt, da besonders die Auffassung von „Krieg“ bei beiden komplett unterschiedlich ist. Für den Nationalsozialisten ist der Krieg ein Befreiungskrieg eines eingekreisten Volkes, für den Faschisten bedeutet Krieg einfach nur einen „Kampf“, der eine besondere Brüderlichkeit zwischen den gegeneinander Kämpfenden hervorruft.25 Mohler argumentiert auch, dass der Begriff „faschistisch“ in bestimmten nationalsozialistischen Kreisen als abwertende Vokabel für Abweichler, die sich keiner politischen Richtung zuordneten, verwendet wurde. Im „Gestapo-Jargon“ stand der Begriff für „geistige Diskriminierung“, da die „seriösen Nordischen“ die „Mediterranen“ nicht allzu ernst nahmen.26 Der Nationalsozialismus unterscheide sich vom Faschismus nicht nur durch die Nutzung von anonymem Staatsterror und Massenexekutionen, sondern auch durch die Verbindung des „leidenschaftlichen“ Sozialismus mit „gefühlsschweren“ Begriffen wie Nation, Volk und Rasse. Damit ist der deutsche Nationalsozialismus dem russischen Stalinismus näher als dem italienischen Faschismus mit seinem „kalten Stil“.27

Armin Mohlers Faschismustheorie kennt fünf Abgrenzungen zum Faschismus, ähnlich wie bereits bei Griffin, Paxton und Trotzki. Da wäre zum einen das „autoritäre Regime“, das einzelne Techniken des „rechten Totalitarismus“ übernehme, ohne sich im Inneren stark zu wandeln und auch um die Bildung solcher Totalitarismen abzuwehren, wie das österreichische Dollfuß-Regime und Salazars Portugal. Die zweite Abgrenzung sind die sogenannten Frontkämpferbewegungen aus dem Ersten Weltkrieg, wie die französischen Feuerkreuzler. Die dritte Abgrenzung sind die militanten Organisationen des Volkstumkampfes, bei der eine Feindstellung zu einem anderen Volk alle anderen politischen Forderungen an Wichtigkeit übertrifft, wie beim irischen, baskischen und flämischen Nationalismus. Die vierte Abgrenzung sind die Bauernrevolten der 20er und 30er Jahre, wie die finnische Lappo-Bewegung, die schweizerische Bauernheimatbewegung, der französische Front Paysan und die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein. Die letzte Abgrenzung sind alle außereuropäischen und -nordamerikanischen Phänomene, die oft als faschistisch bezeichnet werden, aber durch sonderbare Eigenschaften nicht ins Schema passen. Da wären der brasilianische Integralismus, der argentinische Peronismus und die Alianza Popular Revolutionaria Americana des peruanischen Volksführers Haya de la Torre.28

Zusammenfassung: Armin Mohlers Faschismustheorie zeichnet sich dadurch aus, dass der Faschismus als eine pragmatische Bewegung ohne festes politisches Programm konzipiert wird, die die „direkte Aktion“ und die symbolische, plötzliche, demonstrative Gewalt in den Mittelpunkt stellt und sich durch einen „kühlen“, „rapiden“ Stil auszeichnet. Mohler sieht den deutschen Nationalsozialismus nicht als Teil des Faschismus, da dieser anonymen Staatsterror benutzt und „leidenschaftlichen“ Sozialismus mit „gefühlsschweren“ Begriffen verbindet. Ebenso lehnt Mohler die Theorie von einem „generischen“ Faschismus ab und bietet stattdessen fünf Abgrenzungen an: das autoritäre Regime, die Frontkämpferbewegungen, die militanten Volkstumkämpfer, die Bauernrevolten und die außereuropäischen und -nordamerikanischen autoritären, antidemokratischen Phänomene.

1Vgl. Benito Mussolini, The Political and Social Doctrine of Fascism. An Authorized Translation by Jane Soames, in: Benito Mussolini, My Autobiography. With „The Political and Social Doctrine of Fascism“, hrsg. von Dover Publications, New York 2006, S. 227f.

2Ebd., S. 228.

3Vgl. ebd., S. 228ff.

4Vgl. ebd., S. 230.

5Vgl. ebd., S. 231.

6Vgl. Benito Mussolini, The Political and Social Doctrine of Fascism, S. 232f.

7Ebd., S. 232.

8Vgl. ebd., S. 235-239.

9Vgl. Julius Evola, Fascism viewed from the Right, London 2013, S. 29.

10Vgl. ebd., S. 30f.

11Vgl. ebd., S. 50-53.

12Vgl. Julius Evola, Fascism viewed from the Right, S. 57-64.

13Benito Mussolini, The Political and Social Doctrine of Fascism, S. 233.

14Vgl. Julius Evola, Fascism viewed from the Right, S. 78f.

15Ebd., S. 79.

16Vgl. ebd., S. 79-82.

17Vgl. ebd., S. 86.

18Vgl. dazu Julius Evola, Notes on the Third Reich, London 2013.

19Vgl. Armin Mohler, Der faschistische Stil, Schnellroda 2020, S. 17.

20Ebd.

21Ebd., S. 24.

22Vgl. ebd., S. 47-52.

23Ebd., S. 48.

24Vgl. Armin Mohler, Der faschistische Stil, S. 18ff.

25Vgl. ebd., S. 25.

26Vgl. ebd., S. 33ff.

27Vgl. ebd., S. 64.

28Vgl. Armin Mohler, Der faschistische Stil, S. 72f.

5. Vergleich und Schlussfolgerung

Bevor ich zum Vergleich der Faschismustheorien komme, möchte ich die einzelnen Theorien noch einmal zusammenfassen.

Trotzki: zum Faschismus zählt nicht nur die ursprüngliche italienische Variante, sondern auch der deutsche Nationalsozialismus. Es handelt sich dabei um eine politische Bewegung, die sich auf das enttäuschte Kleinbürgertum (bzw. die Mittelschicht) stützt. Sie ist rassistisch, antisemitisch, anti-intellektuell, anti-marxistisch und besitzt auch eine antikapitalistische Komponente, die jedoch nur auf der rhetorischen Ebene verharrt. In der Tradition der marxistischen Faschismustheorie stehend, beschreibt auch Trotzki den Faschismus als eine „Regierung des Finanzkapitals“. Er fügt jedoch eine Nuance hinzu, indem er zwischen bonapartistischen und faschistischen Regimen unterscheidet.

Paxton: er vertritt eine „generische“ Faschismustheorie. Für ihn ist Faschismus eine massenpolitische Bewegung, die sich sowohl gegen den Sozialismus als auch den Liberalismus richtet. Im Faschismus steht nicht das ausgearbeitete Programm im Vordergrund, sondern die „Tat“. Kernelemente des Faschismus sind die homogene Gruppe, die vor „inneren“ und „äußeren“ Feinden beschützt und von „schädlichen“ Einflüssen gereinigt werden muss, der (männliche) Führerkult, die extreme Freund-Feind-Dichotomie und die ekstatische Mobilisierung von Massen. Des Weiteren werden Gewalt, Krieg und Expansion verherrlicht und als legitime Mittel betrachtet. Paxton unterscheidet zwischen faschistischen und autoritären Regimen, Militärdiktaturen und Hybridmodellen (wie im Japanischen Kaiserreich oder in Argentinien unter Perón).

Griffin: in seiner („generischen“) Faschismustheorie steht die sogenannte „palingenetische Ultra-Nation“ im Vordergrund. „Palingenese“ bedeutet „Wiedergeburt“, die „Ultra-Nation“ ist eine Art „organisches“ Volk, das vor „schädlichen“ Einflüssen beschützt werden muss. Eine faschistische Avantgarde soll die Nation zur „Wiedergeburt“ führen, um so eine neue Zivilisation zu erschaffen. „Ultranationalismus“ ist eine extreme Form des Nationalismus. Laut Griffin ist der Faschismus nicht unbedingt rassistischer und antisemitischer Natur, auch Expansion und Genozid sind nicht zwingend notwendig.

Mussolini: er sieht in seiner Ideologie nicht die festgeschriebene Doktrin im Vordergrund, sondern die „praktische Aktion“. Der Faschismus richtet sich gegen den Liberalismus, den marxistischen Sozialismus und die parlamentarische Demokratie, behauptet aber gleichzeitig, er vertrete die „wahre Demokratie“. Der Faschismus verherrlicht den Kampf und möchte einen starken, kollektivistischen Staat, der die Nation und die Wirtschaft organisiert. Dem Bürger werden nur eine Handvoll Freiheiten gewährt, während alle anderen „schädlichen“ entfernt werden.

Evola: er sieht im Faschismus eine pragmatische, antimarxistische, antibürgerliche, antikapitalistische, populistische Ideologie, die ihre theoretischen Ideen nur zum Teil in die Praxis umsetzen konnte. Der Faschismus enthalte eine demokratische Komponente, die sich im Vorhandensein einer offenen Massenpartei, eines Führerkultes und einem Großfaschistischen Rat äußert. Die korporatistische Wirtschaft zeichne sich dadurch aus, dass Arbeiter und Arbeitgeber in zwei Gruppen geteilt und die Gewerkschaften nicht vollständig aufgelöst wurden. Außerdem basiert das Herrschaftssystem des Faschismus auf einer Dyarchie, also einer Doppelherrschaft aus Monarch und Diktator.

Mohler: auch er sieht im Faschismus eine pragmatische Bewegung, die nicht das Programm in den Vordergrund stellt, sondern die „Tat“. Im Zentrum stehen die „direkte Aktion“, die plötzliche, symbolische, demonstrative Gewalt und der „kühle“, „rapide“ Stil. Mohler lehnt die „generische“ Faschismustheorie ab und zählt auch den Nationalsozialismus nicht zu den Faschismen, da dieser den Begriff „Faschist“ abwertend verwendete und anonymen Staatsterror benutzte, was dem Faschismus fremd ist. Mohler nennt fünf Abgrenzungen zum Faschismus: autoritäres Regime, militante Volkstumkämpfer, Bauernrevolte, Frontkämpferbewegungen und außereuropäische und -nordamerikanische autoritäre, antidemokratische Phänomene.

Ich komme nun zum Vergleich der verschiedenen Faschismustheorien.

Der größte Unterschied zwischen trotzkistischen und bürgerlichen bzw. rechten Theorien (und eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Letzteren) ist die Behauptung, dass der Faschismus eine „Regierung des Finanzkapitals“ sei. Sowohl bürgerliche als auch rechte Theoretiker schreiben, dass der Faschismus definitiv antikapitalistisch sei, die bürgerlichen Historiker fügen jedoch hinzu, dass es sich dabei um einen sehr selektiven Antikapitalismus handelt und sobald faschistische Bewegungen an der Macht waren, haben sie die wirtschaftlichen Eigentumsverhältnisse nicht verändert. Sie lehnten nur ausländisches oder „fremdes“ Kapital ab, während sie „nationales“ favorisierten. Auch lehnen die bürgerlichen Historiker die marxistische These ab, dass der Faschismus (und der Nationalsozialismus) von Kapitalisten finanziert wurde. Aus der rechten Lektüre geht hervor, dass sich der Faschismus kaum für wirtschaftliche Fragen interessiert. Mohler behandelt die Thematik gar nicht, Evola schneidet sie nur kurz an und selbst Mussolini schreibt nur, dass der faschistische Staat die Wirtschaft organisieren wird.

Ein weiterer Unterschied ist das Verhältnis zwischen Faschismus und der Mittelschicht. Trotzki erklärt detailliert, dass der Faschismus von den Massen des enttäuschten Kleinbürgertums getragen wird. Die bürgerlichen Historiker verneinen dies, da es dafür keine empirischen Beweise in den Quellen gäbe. Stattdessen behaupten sie, dass der Faschismus alle sozialen Schichten ansprach und in sich aufnahm. Auch in den rechten Werken wird mit keinem einzigen Wort eine Fixierung auf das Kleinbürgertum erwähnt.

Auch das Verhältnis zwischen Faschismus und Rassismus bzw. Antisemitismus, Krieg und Genozid ist zwischen den verschiedenen Theorien unterschiedlich. Trotzki sieht in den oben genannten Begriffen Kernkomponenten des Faschismus. Paxton und Griffin sehen das anders, sie sagen, dass Faschismus nicht unbedingt „biologisch“ rassistisch oder antisemitisch sein muss, er kann ebenso auf dem Level von politischen Chauvinismus bleiben. Griffin fügt noch hinzu, dass auch Expansion und Genozid keine Kernelemente des Faschismus seien. Mohler stimmt dem zu und schreibt zusätzlich, dass der „anonyme Staatsterror“ und Massenexekutionen nicht zum „kühlen“ Stil des Faschismus passen.

Eine Gemeinsamkeit aller Theorien (mit Ausnahme der trotzkistischen) ist, dass Faschismus keine feste Ideologie mit einem detailliert ausgearbeiteten Programm und einer spezifischen Zukunftsvision ist. Stattdessen werden die Taten in den Vordergrund gestellt, Emotionen statt Vernunft werden angesprochen. Faschismus ist pragmatisch, nicht dogmatisch, eine Ideologie der Fäuste und der Gewalt.

Jede Theorie bezeichnet den Faschismus als antimarxistisch, illiberal und antidemokratisch, obwohl einige dem Faschismus auch eine populistische Komponente zuschreiben.

Alle Faschismustheorien haben gemein, dass sie nicht jedes antidemokratische, autoritäre Regime dem Faschismus zuordnen. Das Ausmaß ist jedoch unterschiedlich. Trotzki unterscheidet zwischen Bonapartismus (Brüning- und Schleicher-Regierung) und Faschismus (Nationalsozialismus und italienischen Faschismus). Paxton, Griffin, Evola und Mohler zählen die Regime von Salazar, Franco, Dollfuß und Perón definitiv nicht dazu. Mohler fügt noch hinzu, dass der Nationalsozialismus, die Frontkämpferbewegungen, die Bauernrevolten und die militanten Organisationen des Volkstumkampfes ebenfalls nicht zum Faschismus gehören. Er lehnt allgemein eine „generische“ Faschismustheorie ab.

Ich möchte im folgenden ausgehend von den Kernelementen der einzelnen Faschismustheorien meine Überlegungen formulieren.

Der Faschismus ist definitiv eine massenpolitische Bewegung (d.h. sie stützt sich auf eine Massenpartei, die aus allen sozialen Schichten besteht), die sich sowohl gegen den marxistischen Sozialismus als auch den Liberalismus wendet. Sie enthält eine antikapitalistische Komponente, die aber in der Regel Rhetorik bleibt.

Der Faschismus zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Freund-Feind-Schema aus, bei dem die Eigengruppe verherrlicht und als „organische“ Einheit betrachtet und die Feindgruppe dämonisiert wird, das muss aber nicht auf biologisch- oder genetisch-rassistischer Basis geschehen. Die Eigengruppe ist ein Opfer und muss vor „schädlichen“ Einflüssen (wie Kommunismus, Marxismus, Individualismus, Kapitalismus, körperlich wie geistig eingeschränkten Menschen, sogenannten „Asozialen“, Juden, ausländischen Staaten, etc.) beschützt und befreit werden. Diese „Reinigung“ kann auf verschiedenen Wegen geschehen, z. B. durch kulturelle Transformation, Propaganda, freiwilligen Zusammenschluss, Staatsterror bis hin zur Terminierung der „schädlichen“ Einflüsse durch Genozid und Eugenik.

Der Faschismus verherrlicht Kampf, Krieg und Gewalt. In seinen extremsten Auswüchsen bedeutet das oft Expansion, Genozid und Massenvertreibungen. Die faschistische Gewalt ist oftmals symbolischer, demonstrativer und theatralischer Natur und zeichnet sich z.B. durch die Besetzung symbolträchtiger Gebäude, Massenaufmärsche in Uniform, gezielte Attentate, Putschversuche, Prügeleien mit politischen Gegnern und Zerstörung von Eigentum aus.

Im Zentrum der faschistischen Bewegung steht ein charismatischer, ausschließlich männlicher Anführer, der seine Anhänger lenkt und spektakuläre Reden vor Massen inszeniert. Seine „Weisheit“ steht über der universalen Vernunft und Rationalität und seine Befehle sind (wie im Falle von Adolf Hitler) oftmals absolut. Faschistische Bewegungen werden nach dem Ableben ihrer Führungsfiguren geschwächt, da die zentralen, „charismatischen“ „Führer“ nicht an eine Nachfolgeregelung interessiert sind. Sie verschwinden aber nicht.

Der Faschismus ist pragmatischer Natur. Nicht das festgeschriebene Programm steht im Zentrum, sondern die „direkte Aktion“. Er lässt die „Fäuste sprechen“, nicht die Worte. Das Programm und die Zukunftsvision bleiben absichtlich vage.

Er möchte die Gesellschaft revolutionär transformieren, d.h. die Nation soll „wiedergeboren“ werden. Die neue Gesellschaft soll aus einer Mischung aus moderner Technik und alten Traditionen entstehen. Wie im vorherigen Punkt angesprochen, bleibt die genaue Vision dabei aber sehr vage.

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

  1. Evola, Julius: Fascism viewed from the Right, London 2013.
  2. Evola, Julius: Notes on the Third Reich, London 2013.
  3. Funke, Hajo: Armin Mohler. Jünger-Schüler, Netzwerker und selbsterklärter Faschist, in: Zentrum Liberale Moderne (Hrsg.): Das Alte Denken der Neuen Rechten. Die langen Linien der antiliberalen Revolte, Berlin 2019, S. 89-100.
  4. Goodrick-Clarke, Nicolas: Im Schatten der Schwarzen Sonne. Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung, Wiesbaden 2009.
  5. Griffin, Roger: Faschismus. Eine Einführung in die vergleichende Faschismusforschung, Stuttgart 2020.
  6. Marx, Karl: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: Kurt Lhotzky (Hrsg.): Karl Marx / Friedrich Engels, Gesammelte Werke, Köln 2016, S. 327-448.
  7. Mohler, Armin: Der faschistische Stil, Schnellroda 2020.
  8. Mussolini, Benito: The Political and Social Doctrine of Fascism. An Authorized Translation by Jane Soames, in: Dover Publications (Hrsg.): Benito Mussolini, My Autobiography. With „The Political and Social Doctrine of Fascism“, New York 2006, S. 227-240.
  9. Paxton, Robert O.: The Anatomy of Fascism, London 2004.
  10. Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin: Rechts /Rechte Ideologie, URL: https://www.berliner-register.de/content/rechts-rechte-ideologie (letzter Aufruf am 13.09.2021 um 17:26 Uhr).
  11. Trotzki, Leo: Bonapartismus und Faschismus. Zur Charakterisierung der heutigen Lage in Europa. Juli 1934, in: Arbeiterpresse Verlag (Hrsg.): Leo Trotzki. Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, Essen 1999, S. 336-346.
  12. Trotzki, Leo: Der einzige Weg. September 1932, in: Arbeiterpresse Verlag (Hrsg.): Leo Trotzki. Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, Essen 1999, S. 201-264.
  13. Trotzki, Leo: Ein Sieg Hitlers bedeutet Krieg gegen die UdSSR. April 1932, in: Arbeiterpresse Verlag (Hrsg.): Leo Trotzki. Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, Essen 1999, S. 193-200.
  14. Trotzki, Leo: Porträt des Nationalsozialismus. Juni 1933, in: Arbeiterpresse Verlag (Hrsg.): Leo Trotzki. Porträt des Nationalsozialismus. Ausgewählte Schriften 1930-1934, Essen 1999, S. 300-309.

7. Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln (z. B. Nachschlagewerke oder Internet) angefertigt habe. Alle Stellen der Arbeit, die ich aus diesen Quellen und Hilfsmitteln dem Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen habe, sind kenntlich gemacht und im Literaturverzeichnis aufgeführt. Weiterhin versichere ich, dass weder ich noch andere diese Arbeit weder in der vorliegenden noch in einer mehr oder weniger abgewandelten Form als Leistungsnachweise in einer anderen Veranstaltung bereits verwendet haben oder noch verwenden werden. Die Arbeit wurde noch nicht veröffentlicht oder einer anderen Prüfungsbehörde vorgelegt.

Die „Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis für Studierende an der Universität Potsdam (Plagiatsrichtlinie) – Vom 20. Oktober 2010“ ist mir bekannt.

Es handelt sich bei dieser Arbeit um meinen ersten Versuch.

Anmerkung: Diese Arbeit entstand im Kontext des Seminars „Leo Trotzki – Leben, Werk und Kontroverse“ und wurde mit 1,0 bewertet.

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