Unter der Schwarzen Sonne – Gedicht

Grell leuchten die Neonröhren 
laut dröhnt das FashWave 
Schreiende Befehle, flammende Reden
Jubelstürme, Exekutionen
Donnern der Kanonen 
Muskulöse Männer in SA-Uniformen
räkeln sich zur synthetischen Musik 

Genug vom Lärm, genug vom Neonlicht
Genug vom schlechten urdeutschen Bier 
Bitterkalt weht draußen der Wind 
eine frische Brise, eine Abwechslung 
zum Geruch von hypermaskulinen Schweiß
Schwere Stiefelschritte marschieren 
Schwarze Uniformen, verdeckt besser das Blut
Heil Himmler!, rufen die mechanischen Männer 
Lustlos und kraftlos hebe ich den rechten Arm 

Die Lager sind maßlos überfüllt 
Asoziales, jüdisches, homosexuelles,
lesbisches, transsexuelles, linkes, 
reaktionäres, schwächliches,
behindertes, zigeunerisches, dissidentes,
verräterisches, kapitalistisches,
antikapitalistisches, strasseristisches, 
anarchistisches, adliges,
 schwarzes, asiatisches, slawisches Pack
so sagt man uns 
so behauptet man 
Unwertes Leben



Wie kamen wir nur 
vom Regen in den Abgrund
Krieg und Krieg und endloser Krieg 
Pakte mit den Alten 
Pakte mit dem Namenlosen 
Pakte mit dem Höllischen 
Handschläge und verworrene Verträge 
Opfer, unzählige Opfer 
Leichenberge hoch wie Babels Turm
und aus der Asche 
okkulten Feuers 
stieg die Schwarze Sonne empor

Außerhalb der Stadt 
ist es nicht besser 
Graue Schlote pusten 
schwarze Asche in die Luft
Die Öfen sind im Dauerbetrieb 
Die Schwarze Sonne geht nie unter 
Hier in Neo-Burgundia 
Leblos liegt die Landschaft 
Tote Wälder, karge Felder 
Unter der Schwarzen Sonne 
blüht nichts Asche. 

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